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Dienstag, 1. Februar 2005, 10:40

Weidenrindentee für Cardueliden

Hallo!

Man hört immer wieder, dass Weidenrindentee
ein Allheilmittel gegen Kokzidiose und Würmer
sei,ich selbst habe sehr schlechte Erfahrungen mit Weidenrindentee bei Cardueliden gemacht.

Beim Regegieren habe ich folgendes gefunden.
Ich glaube man darf das auch so für Cardueliden
weitergeben! Hat jemand andere Erfahrungen dazu gemacht?

Bitte hier berichten.


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Aberglaube, Fehlinformationen und Missverständnisse


Tiberius Mohr

Behauptung 3:
Die Tauben benötigen (vor allem im Winter) Weidenrindentee.

Richtigstellung:

Gesunde Tauben benötigen zu keinem Zeitpunkt Weidenrindentee (kranke übrigens auch nicht!).

Die wirksame Komponente des Weidenrindentees ist Acetylsalicylsäure (ASS). Acetylsalicylsäure ist nichts anderes als der Wirkstoff (der einzige Wirkstoff) aus dem bekannten Kopfschmerzmittel Aspirin (Anfang des Jahrhunderts von Felix Hoffmann bei Bayer entwickelt).

Folglich würden Tauben Weidenrindentee nur dann benötigen, wenn sie Kopfschmerzen hätten. Wenn sie keine haben - und das wollen wir hier unterstellen - ist die Verabreichung widersinnig und gefährlich. Gefährlich deswegen, weil ASS eine ganze Reihe von Nebenwirkungen besitzt (siehe unten), die bei Tauben den zweifelhaften Nutzen bei weitem übersteigen.

Hersteller und Vertreiber von Weidenrindentee propagieren außerdem dessen "blutverdünnende" Wirkung. Damit ist die Wirkung von ASS gemeint, die einer Bildung von Blutgerinnseln entgegenwirkt. Wenn man genauer nachfragt, gehen aber die Argumente schnell aus oder werden unsachlich.

Tierärztlicher Rat:

Tauben sollte zu keinem Zeitpunkt Weidenrindentee verabreicht werden. Tauben neigen nicht zur Bildung von Blutgerinseln, also muss in dieser Hinsicht auch nicht vorgesorgt werden.
Hinsichtlich der Nebenwirkungen des Wirkstoffes aus Weidenrindentee zitiere ich untenstehend aus dem Pharmakologie-Standardwerk der Veterinärmedizin "Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie für die Veterinärmedizin" von Prof. Dr. med. vet. HANS-HASSO FREY und Prof. Dr. med. vet. WOLFGANG LÖSCHER.

"Der klinische Effekt beschränkt sich nicht allein auf die Entzündungsprozesse. So wird durch das fehlende Thromboxan A2 eine starke Hemmung der Blutgerinnung als Folge einer Thrombozytenaggregation bedingt. Die Salicylate werden im sauren Milieu des Magens vermehrt resorbiert, so dass die hohen Konzentrationen in den Mukosazellen deren Übersäuerung bedingt. Gleichzeitig wird die Schutzfunktion der Prostaglandine durch die Hemmung ihrer Synthese beseitigt... Die Folge ist eine verminderte Durchblutung der Schleimhaut mit lokaler Hypoxaemie, aber auch der Niere. Dieser Mechanismus liegt der Ausbildung von Erosionen und Ulcera im Magen-Darm-Bereich oder der Niereninsuffizienz nach chronischer Applikation zugrunde."


Und nun für Nichtmediziner verständlich:

Die Wirkung dieser Substanz beschränkt sich nicht allein auf die Entzündungsherde (also auf krankhafte Veränderungen). Durch die Hemmung der Bildung eines bestimmten körpereigenen Stoffes (Thromboxan A2) wird die Blutgerinnung aufgehoben. Dies geschieht dadurch, dass die Blutplättchen (Thrombozyten) funktionsunfähig werden - bei jeder kleinsten Verletzung kann das tödliche Folgen haben: das Tier verblutet.
Die ASS (z.B. aus dem Weidenrindentee) wird im Magen stärker aufgenommen, weil sie aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften im sauren Bereich (Magensäure) löslicher ist als im neutralen oder alkalischen. Die Verabreichung über Trinkwasser oder Futter ist folglich mit mehr Nebenwirkungen behaftet als beispielsweise eine Injektion. Der Körper schützt die Magenschleimhaut vor Selbstverdauung durch die Bildung von Magenschleim. Dieser Magenschleim kann nur gebildet werden, wenn im Körper bestimmte Stoffe (Prostaglandine) vorhanden sind. Die ASS (z.B. aus dem Weidenrindentee) hemmt aber die Bildung dieser Schutzstoffe. Die Folge ist eine verminderte Durchblutung der Schleimhaut mit örtlich begrenzter Blutarmut im Magen, im Darm und in der Niere. Dadurch greift der saure Magensaft die Schleimhaut des Magens an und es bilden sich Reizungen und Geschwüre. Durch die Sauerstoffunterversorgung der Niere (bedingt durch die örtliche Blutarmut) führt ASS (z.B. aus Weidenrindentee) zu Nierenfunktionsstörungen, wenn ASS wiederholt verabreicht wird.


Außerdem erhöht ASS (aus Weidenrindentee) den Sauerstoffverbrauch des Körpers und die Produktion von Kohlendioxid. Der Folge ist ein erhöhter Sauerstoffverbrauch pro Zeiteinheit, der bis hin zum Atmen mit offenem Schnabel und zu weiteren metabolischen Umstellungen im Körper führen kann, deren Schilderung jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Dass dieser Zustand auf dem Wettflug nicht gerade förderlich ist, versteht sich von selbst.

Ich persönlich möchte sowohl meinen eigenen Tauben als auch meinen Taubenpatienten derartiges ersparen, egal wie gerne der Weidenrindentee gekauft wird und egal welche Spitzenzüchter Weidenrindentee verabreichen - und trotzdem, nicht deswegen gut reisen
.

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